Mit dem Gesicht zur Wand…

Diese Beschreibung verwenden meine Kunden regelmäßig, wenn wir das erste Gespräch führen. Dabei ist es meistens relativ einfach zu erkennen, was man verändern müsste, um aus dieser vermeintlich eingefahrenen Situation wieder heraus zu kommen.


Die Schwierigkeit ist aber oft, dass eben nicht ein einzelnes Problem uns plagt, sondern eine Menge verschiedener Themen uns beschäftigt – und damit Zeit und sonstige Ressourcen fressen, die wir für die Lösung eines Problems eigentlich fokussiert nutzen müssten.

Das heißt: Unsere Kapazität an Gedanken, an Kraft oder Energie, aber auch an Zeit oder einfach Geld ist begrenzt und wir teilen alles, was uns zur Verfügung steht, auf alle möglichen Themen auf. Dabei priorisieren wir oft nicht bewusst, sondern gehen eher danach, wer oder was am lautesten schreit.

Ein weiterer Klassiker ist es, der Lösung eines Problems einfach aus dem Weg zu gehen, sich mit »wichtigeren« Dingen wie Arbeit und Ablenkungen zuzuschütten, um nur keine Kapazitäten frei zu bekommen, das Problem bearbeiten zu können. Das ist übrigens eine zuverlässige Strategie, in eine Überlastung zu laufen, ohne dabei 60 Stunden pro Woche im Büro oder am Arbeitsplatz zu sein. Die Betroffenen können kaum verstehen, warum es ihnen nicht gut geht, denn sie arbeiten ja (vermeintlich) gar nicht so viel. Ablenkung ist jedoch echt anstrengend, denn so ein Tag will gefüllt sein, wenn man etwas vermeiden will.

Das ist übrigens auch die Bezeichnung aus der Psychologie für solches Verhalten: »Aktives Vermeidungsverhalten«. Kennst du das, wenn du dich z. B. auf eine Prüfung vorbereiten musst und plötzlich unfassbare Lust darauf hast, mal wieder ganz, ganz gründlich dein Badezimmer zu putzen? Genau das ist aktives Vermeidungsverhalten. Man hatte ja schließlich gar keine Zeit zu lernen! Ja, so – oder so ähnlich – machen wir das. Und in der Sache – Prüfung oder sonstiges Problem – kommen wir nicht vom Fleck. Es bleibt aber dabei: Wir sind keinen Schritt weiter gekommen. Und genau dadurch entsteht oft das Gefühl, mit dem Gesicht zur Wand zu stehen.

Also, achte darauf, die Anzahl deiner Themen im Überblick zu behalten und darauf, wodurch du dich vielleicht absichtlich ablenkst.

Deine 
Sabine